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Reise Informationen

Radfahren in Schottland

Radfahren insbesondere Radwandern ist in Schottland eine nicht sehr verbreitete Freizeitaktivität. Dementsprechend ist der Zustand mancher Fahrradwege. Dieser Mangel wird jedoch durch die einmalige Landschaft und den relativ geringen Verkehr wettgemacht. Das englische Word "cycling" wird in Schottland häufig als "Mountainbiking" verstanden; Dies sollte bedacht werden wenn englischsprachige Führer oder Informationen zu Rate gezogen werden.

Sicherheit/Strassenverkehr

Autofahrer in Schottland sind nicht in dem Maße an Radfahrer gewöhnt wie in Mitteleuropa üblich. Vor allem in den Städten wird Radfahrern oft nicht genügend Platz gelassen bzw. deren Geschwindigkeit unterschätzt. Ausserhalb der Städte sind die Autofahrer jedoch generell freundlich und rücksichtsvoll.

Die folgenden Punkte sind generell zu bedenken:

  • Es wird links gefahren.
  • Helm ist nicht Pflicht wird aber empfohlen.
  • Es gibt kaum strassenbegleitende Radwege. Wo es welche gibt, haben sie normalerweise keine Vorfahrt bei Einmündungen.
  • Wo es strassenbegleitende Radwege gibt können diese benutzt werden, müssen es aber nicht.
  • Auf grösseren Strassen in den Städten sind häufig am linken (äusseren!) Rand Radwegmarkierungen. Diese sind aber nur Empfehlungen und daher oft (legal!) von Autos zugeparkt. Die Einfallstrassen haben meist Busspuren, diese dürfen von Radfahrern mitbenutzt werden. Auch hier ist Parken meist nur zur Rush-hour verboten (Ist nicht so schlimm wie es sich anhört: zwischen geparkten Autos und dem Rand der Busspur ist meist genug Platz um bequem Fahrradfahren zu können. Die Busse fahren bei geparkten Autos eh' in der anderen Spur mit).
  • Beim Radfahren in Gruppen (auf Strassen, ausserorts) sollte jeweils zu zweit nebeneinander gefahren werden.
  • Roundabouts (Kreisel): Sind am besten so zu benutzen wie von Autos auch, d.h. beim Einfahren in die richtige Spur einordnen und im Verkehr mitschwimmen. Man sollte nicht am äusseren Rand des Kreisels fahren: Wer die äussere Spur benutzt muss an der nächsten Ausfahrt raus! Zur Not absteigen und ausserhalb des Kreisels herumgehen (auf Bürgersteig wenn vorhanden). Manche Kreisel versuchen per Ausschilderung Radfahrer so zu schicken, man verliert aber viel Zeit dabei, und das Überqueren der Ein- und Ausfahrten zu Fuss ist nicht unbedingt sicherer als im Kreisel mitzufahren.
  • Brücken: Die grossen Brücken (Forth Road Bridge, Erskine Bridge, Kessock Bridge, Tay Bridge, Skye Bride) haben alle Fahrrad/Fussgängerwege und sind für Fahrradfahrer kostenlos.

Praktikalitäten

  • Fahrradläden gibt es in den Städten reichlich, aber häufig mit sehr eingeschränktem (und auf Mountainbiker spezialisiertem) Sortiment. Die Maße von Laufrädern, Schrauben, etc. entsprechen mittlerweile dem internationalen Standard, es sollte also keine Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung geben. Eine Ausnahme ist, dass Dynamobeleuchtungen in Schottland praktisch unbekannt sind.
  • Fahradmieten: ist in Schottland relativ teuer und die vermieteten Fahrräder haben keine gute Qualität. Besser eigenes Rad mitbringen.
  • Karten: leider gibt es keinen Verlag der in Schottland Karten im radwanderfreundlichen 1:100 000-1:150 000 Maßstab verkauft. Die Landranger Karten von Ordnance Survey (1:50 000) sind teuer und decken ein zu kleines Gebiet ab. Die gängigen Autokarten (meist 1:250 000) haben meist keine Höheninformationen. Als Kompromiss kann die "OS Travel Map – Road" (1:250 000) von Ordnance Survey gelten. Zwei Karten decken ganz Schottland ab, und zumindest einige Höhenlinien sind vorhanden.
  • Fahrradbeförderung in Zug/Bus: Fahrräder werden in den Zügen von ScotRail umsonst und unbürokratisch mitgenommen. Eine Reservierung (kostenlos) wird empfohlen ist aber nicht zwingend. Pro zwei Waggons gibt es normalerweise ein Fahrradabstellbereich. GNER, die die InterCitys von London nach Edinburgh und teilweise weiter in Schottland betreibt nimmt eine Gebühr von £3 pro Strecke und schreibt Reservierung vor. Die S-Bahnen im Bereich Glasgow (Strathclyde Passenger Transport) nehmen Fahrräder mit wenn Platz ist (im Einstiegsberreich), das ganze ist kostenlos. Die Glasgower U-Bahn befördert keine Fahrräder. Busse nehmen keine Fahrräder mit, weder Stadtbusse, noch Überlandbusse. In abgelegenden Gegenden kann man aber manchmal den Busfahrer überreden (vor allem bei Problemen mit den Rad, schlechtem Wetter, etc). Tandems und Liegeräder werden nur von GNER mitgenommen.
  • Fähren: Alle Fussgängerfähren transportieren auch Fahrräder. Nützlich sind z.B. Inversnaid-Inveruglas (Loch Lomond) und Altnaharrie-Ullapool (Loch Broom). Die Autofähren von Caledonien MacBryne zu den Hebriden transportieren Fahrräder kostenlos.

Allgemeine Routenplanung

Die schottischen Highlands sind gebirgig! Die meisten Strassen folgen den Tälern, was allerdings auch den Verkehr konzentriert: Es gibt kaum Nebenstrassen. Südlich des Great Glen (Loch Ness) haben die meisten Lochs zusätzlich zur Hauptstrasse noch eine Nebenstrasse am anderen Ufer, die ideal zum Fahrradfahren ist. Der meiste Touristenverkehr konzentriert sich auf die Strecke Edinburgh-Inverness-Fort William-Glasgow mit Abstecher nach Skye. Abseits dieser Strecke ist auch zur Hauptsaison relativ wenig Verkehr, vor allem im Norden.

Die Ecke zwischen Aberdeen und Inverness hat wenig Verkehr und viele Nebenstrassen, allerdings auch weniger spektakuläre Landschaft als der Rest Schottlands: leicht welliges Hügelland. Im Süden Schottlands (Borders/Dumfries & Galloway) ist auch wenig Verkehr, die Landschaft ist weniger schroff als in den Highlands.

Zu vermeiden: A9 (Perth-Inverness und weiter nach Norden): praktisch Autobahn (NCN7 verläuft parallel). Zur Hauptsaison A82 (Glasgow-Glencoe-Fort William/Oban) und A87 (vor allem Kyleakin-Broadford-Sligachan auf Skye).

Fernradwege

Sustrans ist eine gemeinnützige Organisation die sich für den Bau und Erhalt von Fernradwegen einsetzt. Sie wird von staatlicher Seite finanziell jedoch nicht politisch unterstützt. So ist die Konstruktion von Strassen und Fahrradwegen selten aufeinander abgestimmt.

Die von Sustrans konstruierten und beschilderten Wege firmieren als "National Cycle Network" (NCN). Es handelt sich um eine Mischung aus ehemaligen Eisenbahnstrecken, Nebenstrassen und vereinzelt neuangelegten Abschnitten. Die einzelnen Routen sind nummeriert; Detailierte Karten für jede Route sind von Sustrans oder im Buchhandel erhältlich. Die Beschilderung des National Cycle Network wird grösstenteils von Freiwilligen durchgeführt, und ist häufig nicht so gut wie zu wünschen wäre.

Grosse Teile des NCN sind (mehr oder weniger) beschilderte Nebenstrassen die häufig grosse Umwege in Kauf nehmen um Steigungen oder Hauptstrassen zu vermeiden. Häufig findet man mithilfe einer (Auto)karte besser zu fahrende Alternativen. Einige Abschnitte (vor allem die autofreien) sind aber sehr zu empfehlen. Zu empfehlende Abschnitte des National Cycle Network sind

  • NCN 7 "Lochs and Glens": Carlisle - Newton Steward - Glasgow - Pitlochry - Inverness: Der Abschnitt Aberfoyle-Killin ist eine der schönsten und spektakulärsten des NCN. Pitlochry-Inverness folgt Nebenstrecken, stillgelegten Teilen der alten A9 und über den Pass von Drumnochter einem neuangelegten Weg neben der A9.
  • NCN 75 : Glasgow-Edinburgh: Entlang stillgelegter Bahnlinien
  • Regionale Route 43: Glasgow-Edinburgh: Entlang des "Union Canal" und des "Forth-Clyde-Canal". Autofreier Weg von Innenstadt zu Innenstadt. Wie alle Kanalrouten in Grossbritannien, wird der Pfad von "British Waterways" unterhalten. Offiziell benötigt man für die Benutzung einen Erlaubnisschein (permit) von British Waterways (kostenlos), und die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf dem Pfad sind 10km/h (6mph). Beide Punkte werden praktisch von niemandem beachtet. Vor allem innerhalb der Städte ist der Pfad sehr beliebt bei Spaziergängern, man sollte also vorsichtig fahren.
  • NCN 1: Dover-Inverness. Der schottische Abschnitt verläuft Berwick-Melrose-Edinburgh-Forth Bridge-Dundee-Aberdeen-Banff-Inverness. Vor allem die Section Edinburgh-Forth Bridge ist als Autofreier Weg von der Edinburgher Innenstadt zur Nordseite der Forth-Brücke zu empfehlen. In Dunfermline besteht Anschluss zum NCN 76 nach Stirling (Autofrei) und weiter über Nebenstrassen nach Callander (NCN 7)
  • NCN 78: Campbelltown (Kintyre)-Inverness. Der Abschnitt Fort William-Inverness ist der "Great Glen Cycle Way": bis zum Loch Ness auf eigens konstruiertem (autofreien) Weg, dann auf der (kaum befahrenden) Südseite des Loch Ness entlang.

Andere empfehlenswerte Strecken

  • Loch Katrine (Trossachs): Eine Strasse geht zu 3/4 um das Loch herum. Autofahren ist nur für (das halbe Dutzend) Anlieger erlaubt: Trossachs Pier nach Stronachlachar. Von dort 5km Single-Track nach Inversnaid (Loch Lomond) wo eine Fussgängerfähre auch Fahrräder zum Westufer des Loch Lomond bringt.
  • The Mad Wee Road (Inverpolly): 10km nördlich von Ullapool links Richtung Achiltibuie/Lochinver abbiegen. Weitere 15km weiter geht die Mad Wee Road an der Küste nach Lochinver und weiter am Old Man of Stoer vorbei nach Unapool.
  • Mull/Äussere Hebriden: Wegen relativ hoher Fährkosten für Autos wenig Verkehr. Die äusseren Hebriden können jedoch sehr stürmisch sein.
  • Applecross (Bealach na Ba): Ob empfehlenswert kommt auf die persönlich Einstellung an: Der "Bealach na Ba" Pass auf der Strasse nach Applecross ist mit 629m die höchstgelegende Strasse Grossbritanniens. Unter schottischen Fahrradfahrern gilt die Bezwingung des Passes als ultimativer Fitnessbeweis. Man wird mitunter von Autofahrern angefeuert: Tour de France feeling in Schottland.
  • Cape Wrath: Zum Nordwestkap Schottlands führt ein knapp 20km langer Single Track, der nur über die Fussgänger(!)fähre bei Durness zu erreichen ist. Das einzige motorisierte Gefährt auf der Strasse ist der Minibus der Touristen von der Fähre zum Kap (Leuchtturm) bringt. Strassenqualität ist dementsprechend.

Anbindung der Flughäfen

Für gewöhnlich wird man in Schottland an einem der Flughäfen Edinburgh, Glasgowoder Glasgow-Prestwick ankommen.

  • Edinburgh: Die A8 am Flughafen vorbei hat eine Fahrradweg, der aber nicht besonders gut ist. Man kann ihm Richtung Edinburgh folgen. Alternativ gleich bei der nächsten Möglichkeit von der A8 nach rechts runter (Richtung Gogarbank). Nach 1km nach links und nach 300m wieder rechts. Direkt nach der Autobahnbrücke kommt man auf den Union Canal und ohne weiteren Verkehr bis in die Innenstadt. Man kann dem Fahrradweg an der A8 auch in die andere Richtung (Westen) bis zum Newbridge Roundabout folgen. Von dort führt ein besserer Fahrradweg nach Norden direkt zur Forth Brücke.
  • Glasgow: Die schwierigste Anbindung: Alle augeschilderten Wege führen auf die Autobahn: Zuerst der Beschilderung nach Glasgow folgen. Nachdem man unter der Autobahn durchfährt am Roundabout aber nach links und nicht wie beschildert nach rechts. Am nächsten Roundabout dann nach rechts (Richtung Paisley). In Paisley kommt man per Bahn oder Strasse nach Glasgow, oder hat direkt Anschluss an den NCN7(Osten) nach Glasgow, oder NCN7(Westen) und NCN75 nach Greenock und zur Fähre nach Dunoon.
  • Glasgow-Prestwick: NCN7 führt direkt am Terminal vorbei. Richtung Glasgow fängt es zwar mit 1km Hauptstrasse an, wird dann aber besser. Glasgow-Prestwick hat als einziger schottischer Flughafen Bahnanbindung: Züge nach Glasgow fahren alle 30min.
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